Chronologische Zusammenfassung



 

Januar 2003

Telefonat mit Frank Lamprecht über vom Aussterben bedrohte Ziegenrassen, dabei höre ich zum ersten Male von der Ziegenrasse Capra Grigia. Frank ist so freundlich, mir sein bisheriges Material zur Verfügung zu stellen.

Februar 2003 Nach mehreren Telefonaten mit Sabine Lanfranchi (Pro Specie Rara, CH) steht fest, dass es im italienischen Trentino (Süd-Tirol) noch wenige Tiere der Rasse Capra Grigia gibt. Die aufkommende Problematik: Es muss schnell gehandelt werden, da es in jedem Jahr weniger graue Ziegen in der EU gibt. Eine Erhaltungszucht kann jedoch nicht mit zwei oder drei Tieren betrieben werden. Vorstellungen werden erörtert, auf die sich eine Anzahl von 10 bis 15 Muttertiere berechnet. Das Geld für den Aufkauf dieser Anzahl ist aber nicht vorhanden.
28. Februar 2003 Auf dem Ziegen-Treff-Stammtisch in Karlsruhe stelle ich das Projekt "Graue Bergziegen" vor. Die Resonanz der Anwesenden ist positiv. Hier fällt auch zum ersten Male der künftige Rasse-Name "Graue Bergziege". 
März 2003 Telefonat mit Karl Marth, Passei, mit der Information, dass am 4. April eine Ziegen- und Schaf-Auktion in Bozen stattfindet.
15. März 2003 Die Pro Specie Rara unterstreicht ihre Unterstützung gegenüber dem Projekt "Graue Bergziegen" in Süddeutschland.
3. April 2003 Mit einem Wohnmobil und einem Viehanhänger mache ich mich auf den Weg nach Bozen zur Auktion. 1000 € sind das Budget, das in diesem Moment zur Verfügung steht.
4. April 2003 Im Aufstellungsbereich der Viehauktionshalle in Bozen sehe ich die ersten grauen Bergziegen. Es sind zwei Tiere. Dort treffe ich auch auf Passeier Bergbauern. Während der Auktion muss ich feststellen, dass ein Milchbauer Interesse an den beiden Tieren zeigt. Bei jeweils 250 € Gebot gebe ich auf. Die beiden Tiere werden nicht in die Erhaltungszucht kommen. Die angereisten Passeier nehmen mich nach der Auktion auf ihre Berghöfe mit. Dort werde ich fündig: 3 Muttertiere, 4 junge Lämmer mit etwa 7 Wochen sowie ein etwa gleichaltriges Bocklamm aus drei verschiedenen Betrieben übernehme ich für knappe 900 €. Es wird aber jedem Beteiligten klar, dies sind mit höchster Wahrscheinlichkeit die letzten, die es in der EU gibt.
5. April 2003 Mit einem Anhänger voll Ziegen und fast leerem Geldbeutel mache ich mich auf den Rückweg über den Brenner Pass in das östereichische Tirol. Was mich erwartet, ist ein handfester Schneesturm. Dieser begleitet mich bis ins Allgäu.
April 2003 Die Finanzierung der Tiere wird durchdacht. Die Mitglieder des Karlsruher Stammtisches finanzieren an den Ziegen über 500 €, meine Einlage ist in der selben Höhe. Es wird eine Ziegen-Aktie angedacht, wobei die Rendite aus den später geborenen Tieren bestehen soll, die für die Linienzucht nicht in Frage kommen.
Mai 2003 Eines der Kitze wird krank, wässriger Stuhl, innerhalb von 24 Stunden trocknet es förmlich aus. Diagnose: Kokzidiose. Alle gängigen Mittel sprechen nicht an. Am Morgen finde ich es tot auf der Weide (.....).
Juli 2003 Die Ziegen bekommen ein neues Zuhause. Ich wechsle die Arbeitstelle, so kommen die Ziegen von Welzheim nach Göppingen. Eine riesige ziegengerechte Weide erwartet die Grauen, man konnte die Freude sehen, hören, spüren. Die SAB - mein neuer Arbeitgeber - übernimmt die Ziegen auf den Betrieb, die Ziegen-Aktien werden aufgelöst und von der SAB ausbezahlt. Unter dem Vorbehalt, dass bei einem eventuellem Ende meines Arbeitsverhältnis, ich die Ziegen zurückkaufe. Den Aktionären gilt trotzdem der Dank, denn durch ihr Vertrauen und ihren Einsatz für die Sache konnten diese selten gewordenen Tiere gerettet werden.
Februar/ März 2004 Durch einen erfolgreichen Deckbock sowie einer erfolgreichen Trächtigkeit der Ziegen, beginnen die grauen Bergziegen ihren Nachwuchs abzukitzen. Der Erfolg des Projektes Graue Bergziegen wird also auch in Baden- Württemberg weitergeschrieben.
Juni 2004

 

Am 21. werden die Kitze abgesetzt, durch die Mitgliedschaft der SAB in der Weidegemeinschaft "Goißatäle" kommen diese mit dem Herdengründer Atilla ins Schöntal nach Wiesensteig. Die beiden nicht melkbaren Chacha und Stirne gehen für 6 Wochen auf den Rufstein (ob der Autobahn 8 zwischen Ulm und Stuttgart) in die Landschaftspflege mit 60 anderen Ziegen. Die restlichen (Taube, Bluebell, Ulme und Chaplin bleiben bei den beiden French Alpin und werden gemolken. Der Vermutung nach fast vier Monaten Tränkezeit würde sich das Melken kaum noch rentieren, setzt erst mal Taube eine Milchleistung bei einmaligem Melken am Tag mit 3 Litern entgegen. Durch die Zugabe von Milchleistungsfutter (Hafer, Erbse usw.) kommt Ulme auf 1,5 Liter, die anderen beiden auf 1 Liter. Durch sensorische Blindversuche wird der Milch der Grauenbergziege ein sehr stark neutraler Geschmack zugesprochen (die meisten verwechseln sie mit Kuhmilch).                                                                          Fazit des Melkens der Grauen Bergziegen. Warum lässt man eine solche Ziegenrasse aussterben?

Spätsommer 2004 Die Ziegenjugend und Atilla geht auf den Bollenschein im "Goißatäle". Atilla erweist sich als Ausbrecher bei zu schwachen Zaunspannungen, dadurch begleiten ihn die Junggeissen bei seinen Ausflügen. Der Bollenschein liegt nur 50 m von der A8 entfernt, deshalb wird die Jungtierherde in der zweiten Septemberwoche nach Göppingen zurückgebracht.
November 2004 Die Ziegen sind alle auf ihre Winterweide zurückgekehrt, Atilla wird Kastriert da er wegen seiner Passeier Vermischung als Deckbock ausgedient hat.
5. Dezember 2004 Auf der Winterweide erweist sich ein ungewohntes Bild, ein Kitz weißer Farbe mit offensichtlichen Burenziegenanteilen ist zur Welt gekommen. Die Landschaftspflege Ziegen die den Grauen Gesselschaft leisten offenbaren sich nicht als Mütter des Kitzes, Chacha hatte sich die letzten Tage am Rufstein mit dem Burenbock "Moritz" eingelassen, das Ergebnis ein süßes Mischlingsgeißlein. Einenteils ein Zuchtverlust für 2005 aber ein Alternativversuch inwieweit Grauen- Blut Fleischziegen in der Landschaftspflege aufwerten.
Februar 2005 Ein unerfreuliches Ziegenjahr kündigt sich an, Stirne hat eine Schwergeburt, das böckchen kann Geburtshelferisch nur Tod geboren werden, das Geißlein "Sonne" überlebt die Tortur. Nach fast einer Woche ist sicher das es Stirne überlebt.                                           Nim muss während dem Abkitzeln auf den Hof gebracht werden, das Kitz kann nur per Kaiserschnitt geboren werden, dieses stirbt wenige Tage später.
Frühjahr 2005 Immer wieder gibt es Geburten bei denen geholfen wird es sterben Kitze kurz nach der Geburt, die Landschaftspflege Ziegen werden von der Grauen- Herde getrennt da dessen Kitze auf Milchklau gehen. Erst ab ende März zeichnet sich eine Besserung der Geburten ab, die Kitze kommen ohne Menschliche Hilfe zur Welt.                                                                                Der Raum sowie die Linien werden zukünftig zu eng sein für eine Erhaltungszucht, weitere Züchter werden gesucht und gefunden, Die Familie Baier im Nordschwarzwald verpflichtet sich zur Gründung einer zweiten GBZ- Herde in Südwestdeutschland.       Anfangs Mai sterben Chaplin ihre beiden Töchter an Unterversorgung, die Mutter hat sie nicht ausreichend versorgt, das fehlverhalten könnte auf einen klinischen verlauf der CAE zurückzuführen sein. Erwägt wird eine ausscheiden von Chaplin aus der Herde.
Juni 2005 Immer wieder werden die Ziegen durch Passanten zugefüttert, Verbotsschilder werden Ignoriert. Am 5. und 6. Juni sterben Stirne und Luna an "Pansenübersäuerung" durch zuviel Brot (Schimmelig, nicht trocken). Die Göppinger Polizei, bei der Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet wird kann gesetzlich nicht vorgehen da eine fahrlässige Sachbeschädigung nicht strafbar ist, das Unverständnis über die Verdauung von Ziegen kann demnach nicht als mutwillig bezeichnet werden.                                      Durch den tragischen Todesfall erscheinen die Grauen Bergziegen in der Stuttgarter Zeitung, Regionalteil Göppingen.                                                                            Die geplante Hungerdruck- Beweidung auf dem Vogelbiotop des W.H.G. wird abgebrochen, da eben die Gesundheit und das Überleben gegenüber verantwortungslosen Menschen wichtiger ist.              Die Ziegen kommen in einer Hauruckaktion auf eine für Passanten unzugängliche Weide. Die Hauruckaktion zeigt Defizite im Zaunbau und der Stromversorgung auf.  Nach mehreren Ausflügen in Wohngebiete etc. wird Atilla für 48 Stunden festgepflockt, dann ist eine Ausbruchssichere Weide fertiggestellt.
18. Juni 2005 Absetzten und Trennen der Ziegen in ihre Zukünftigen Herden. Mit der Hoffnung das die Landschaftspflege Herde und die Melkherde zukünftig getrennt werden damit die Melkherde zum einen CAE frei weiter gezüchtet werden kann und zweitens eine Linientrennung entstehen kann.